ZU WENIG NEUBAU - WENIG MARKTENTSPANNUNG?

Conrad Meissler in der "HafenCity Zeitung"

Eigentlich schien alles Grün auf dem Weg zur Entspannung des Wohnimmobilienmarktes in Hamburg. Für 2017 wurden Genehmigungen für den Bau von rund 12.500 Wohnungen erteilt, so viel wie in den letzten beiden Dekaden nicht mehr. Doch kaum sind die zufriedenen Stimmen von Politik und Mietvereinen verklungen, geht der Markt wieder einen eigenen Weg: Die Zahl der Baugenehmigungen ist gesunken – und zwar deutlich. Sie nahm im ersten Quartal 2018 um über 54 Prozent ab. Es mag sein, dass es sich um saisonale Schwankungen, Vorzieheffekte oder im Vorjahr ungewöhnliche Häufungen von Bauanträgen handelte. Die nächsten Monate werden zeigen, ob aus der Frühjahrsmüdigkeit eine Markterschöpfung wird.

Klar ist aber schon heute, dass den Bauträgern und Immobilienentwicklern mehr und mehr die Lust am Wohnungsbau zu vergehen scheint. Wir hatten schon zuletzt auf die Studie des Marktforschungsinstituts BulwienGesa hingewiesen, wonach bereits im letzten Jahr das Projektentwicklungsvolumen im Wohnungsbau um zwei Prozent gesunken war, während es bei Büroflächen um sogar 5,5 Prozent anzog. Hinter den schwächelnden Zahlen für den Wohnungsbau stehen gravierende Probleme. Einmal mangelt es an ausreichend Grundstücken. In Hamburg gibt es zwar noch viel Raum zum Bauen, etwa in der neuen Hafencity oder in Altona nach Verlegung des Bahnhofs, nicht aber mehr in den besonders gesuchten Wohnlagen der City, rund um die Außenalster, im Alstertal oder in den Elbvororten. Daneben verleiden die umfangreichen politischen Restriktionen vielen die Bautätigkeit. Seit Jahren wälzt die Politik viele Aufgaben auf die Wohnungswirtschaft ab, etwa die Schaffung von günstigem Wohnraum durch die Auflage Sozialwohnungen zu errichten, die Beteiligung an der Infrastruktur sowie die vielen Auflagen, um Gebäude energetisch möglichst effizient zu bauen.

Eine Entlastung des Wohnungsbaus ist auch nicht in Sicht. Im Gegenteil: die jüngsten Tarifvereinbarungen für die Bauwirtschaft werden die Kosten für den Neubau weiter explodieren lassen. Für den Wohnimmobilienmarkt bedeutet dies, dass die Verknappung und weitere Verteuerung auch langfristig anhalten werden.

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