Die Vereinsamung des Wohnens

Conrad Meissler für den Hamburger "Klönschnack"

Nun hat also auch das Analysehaus empirica das festgestellt, worüber wir bereits öfter berichtet haben, nämlich dass sich die Preisentwicklung zwischen Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen im Gegensatz zu früher auseinander differenziert hat. Während sich ETW hamburgweit im letzten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um etwa 5 Prozent verteuert haben, kam es bei Einfamilienhäusern nur zu einem Anstieg der Preise im Schnitt von 0,6 Prozent. Blickt man auf die Entwicklung seit dem letzten Höchststand der Preise im Jahr 2022 zurück, so liegen sie für ETW nun nur noch um 7 Prozent unter dem historischen Höchststand, während Einfamilienhäuser noch um das Doppelte, also um 14 Prozent unter dem 2022 erreichten Spitzenniveau rangieren.

Die Analysten erklären die Differenz mit der Zurückhaltung der Interessenten gegenüber älteren Objekten, die nicht mehr dem aktuellen energetischen Standard entsprechen. Als hinderlich erweist sich nicht allein das Heizungsgesetz, von dem man noch immer nicht weiß, ob es so bleibt wie es unter der vergangenen Ampel-Regierung verabschiedet worden war. Objekte, die gemäß ihrer Energieausweise sehr hohe Energieverbräuche aufweisen, werden weniger gesucht. Denn es besteht die Angst, dass sich Gas- und Ölpreise weiter deutlich verteuern können.

Darüber hinaus besteht noch ein weiterer wichtiger Aspekt, der die Nachfrage nach Einfamilienhäusern klein hält. Es ist der Trend zur „Vereinsamung" des Wohnens mit der Folge eines deutlichen Anstiegs der Einpersonenhaushalte in ganz Hamburg. Der Anteil dieser Haushalte ist seit 2009 von 51,6 Prozent auf mittlerweile 55,3 Prozent gewachsen. Die Zahl der Haushalte und damit die Zahl der Wohneinheiten stieg im gleichen Zeitraum von 952.000 auf 1.070.000; die Pro-Kopf-Wohnfläche erhöhte sich von ca. 37 qm auf etwa 39 qm. Der Trend zu mehr Einpersonenhaushalten verstärkt sich auch durch den demografischen Wandel. Nach Ansicht von empirica soll die Zahl der Haushalte in Hamburg bis 2030 um bis zu 28.000 zunehmen. Der größte Teil davon wird auf Einpersonenhaushalte entfallen, die natürlich EFH weniger nachfragen als Wohnungen und damit auch langfristig Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen.