„Silver Tsunami“ in den Elbvororten?
Conrad Meissler für den Hamburger "Klönschnack"
Es ist ja normal geworden, dass in den Medien Entwicklungen, gleich in welche Richtungen, mit Schock, Marktbeben oder Explosion beschrieben werden. Neuerdings lesen wir Berichte, dass der Schock für Einfamilienhausbesitzer noch immer nicht vorbei sei, die Preise sinken würden und das dicke Ende überhaupt erst in den nächsten Jahren zu erwarten sei. Der Grund dafür bilde die Boomer-Generation, die über etwa ein Drittel aller in Deutschland stehenden rund 4,8 Millionen Einfamilienhäuser verfüge, die sie altersbedingt in den kommenden 10 bis 20 Jahren auf den Markt bringen werde, darunter viele mit einem rückständigen Modernisierungsgrad und einer unzureichenden energetischen Ausstattung. Es werde ein „Silver-Tsunami" ausgelöst. So sei der „Preisverfall" allein in Hamburg nach der Hyperinflation und dem starken Zinsanstieg im Jahr 2022 auch im Jahr 2025 noch immer nicht gestoppt worden.
Allerdings schreibt der Gutachterausschuss der Stadt Hamburg, dass im letzten Jahr die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser stabil geblieben seien. Der Median, ein gegenüber Ausreißern robuster mittlerer Wert, lag bei 565.000 Euro um ein Prozent höher als noch 2024. Bei den gut nachgefragten Endreihenhäusern gab es sogar einen Preisanstieg von sieben Prozent. Schauen wir zusätzlich auf die eher bescheidenen Zahlen in den Elbvororten, so registrieren wir eine ebenfalls stabile Entwicklung. Zwar wurden in den Krisenjahren nach dem Beginn des Ukraine-Krieges und dem Energiepreisschock zwar nur 127 Ein- und Zweifamilienhäusern in 2022 bzw. 117 in 2023 in den Elbvororten veräußert. Doch im letzten Jahr lag die Zahl wieder bei 163 Stück und damit fast genauso hoch wie im Spitzenjahr 2021 mit 165 verkauften Objekten. Das „Handelsblatt" schreibt dann gleich wieder, dass Einfamilienhäuser der „neue Favorit" seien, denn im ersten Quartal dieses Jahres seien die Preise für diese Objekte um bereits ein Prozent gestiegen. Wir können nur eines sagen: die Hamburger Elbvororte bleiben besonders gesucht. Viele neue Familien entstehen und die ziehen in die Häuser ihrer Eltern und nehmen so einen großen Teil der Angebote wieder vom Markt.